| Geschrieben von VerLinker am 07.10.2006 um 00.56 Uhr: |
Die Nürnberger Nachrichten schrieben am 06.10.2006:
Demo gegen Neonazis
Rechte wollen zum Justizpalast — Heikler Polizeieinsatz
Ein breites Bündnis aus Demokraten formiert sich gegen den von der NPD unterstützten Neonazi-Aufmarsch am 14. Oktober vor dem Justizgebäude in der Fürther Straße.
OB Ulrich Maly (SPD) ruft alle Bürgerinnen und Bürger dazu auf, sich um 14 Uhr am Kornmarkt zu versammeln, um den Rechtsextremisten eine klare Absage zu erteilen. Die Polizei bereitet sich indes auf einen heiklen Einsatz vor und kalkuliert Zusammenstöße zwischen Rechtsextremen und Autonomen ein.
Neben der großen Gegenkundgebung am Kornmarkt/Straße der Menschenrechte, zu der der Deutsche Gewerkschaftsbund, die Kirchen, die Israelitische Kultusgemeinde und die Parteien aufrufen, wurden beim Ordnungsamt weitere sechs Gegenkundgebungen angemeldet. Die größte davon wird vom „Bündnis Nazis stoppen“ organisiert, das breite Unterstützung in ganz Gostenhof findet und prominente Fürsprecher wie den Autor Roger Willemsen oder Grünen-Chefin Claudia Roth hat.
Die Rechtsradikalen-Demo soll vom Justizgebäude aus über den Plärrer bis zum Richard-Wagner-Platz führen. Organisiert wird sie vom Neonazi Christian Malcoci aus Nordrhein-Westfalen. 60 Jahre, nachdem 24 NS-Kriegsverbrecher vor dem Internationalen Militärtribunal im Justizpalast an der Fürther Straße unter anderem wegen Verschwörung gegen den Weltfrieden und Verbrechen gegen die Menschlichkeit verurteilt worden sind, will er an symbolträchtigem Ort Neonazis aus ganz Deutschland versammeln — unter dem Titel „Recht statt Rache — Revision der Nürnberger Prozesse“. Arno Hamburger, Vorsitzender der Israelitischen Kultusgemeinde und als Dolmetscher bei den Nachfolgeprozessen der „Nürnberger Prozesse“ beteiligt, wertet die Kundgebung als „erneute Provokation“. „Wenn diese Leute tatsächlich behaupten, dass die Prozesse nicht gesetzmäßig waren, dann ist ihnen nicht mehr zu helfen.“ Die Versammlung ziele nur darauf, die Täter der Nazi-Diktatur zu Opfern zu stilisieren und damit „die
Geschichte der nationalsozialistischen Schreckensherrschaft umzuschreiben“, so Sven Roeser vom „Bündnis Nazis stoppen“, das sich den Neonazis an der Aufzugstrecke entgegenstellen will.
Die Kundgebung der Rechtsradikalen wurde vom Ordnungsamt genehmigt. Zwar gehen auf das Konto Malcocis einschlägige rechtsextremistische Straftaten. Sie liegen laut Stadtrechtsdirektor Hartmut Frommer aber zu lange zurück, als dass sie ein Verbot der Demonstration begründen könnten. Malcoci ist aber auch aktuell in der neonazistischen Szene kein unbeschriebenes Blatt. Er soll Kontakte zu niederländischen Neonazis pflegen. 2005 trat er bei der Landtagswahl in NRW auf der NPD-Landesliste an. Die NPD unterstützt die für den 14. Oktober angemeldete Demo. Zudem soll Malcoci eine führende Rolle in der Gruppierung „Widerstand West“ spielen, einem Netzwerk neonazistischer Freier Kameradschaften. Bis zu ihrem Verbot 1995 war Malcoci laut Szenekennern Mitglied in der „Freiheitlichen Arbeiter Partei“.
Rechtsdirektor Frommer rechnet damit, dass Malcoci „nicht mehr als 100 Teilnehmer“ mobilisieren kann. Angemeldet wurden 500. Die Polizei wird mit starker Kräftezahl vor Ort sein und alles tun, um Konfrontationen zu verhindern. Deeskalation heißt die Strategie. Die denkbar ungünstigste Lage wäre folgende: Sollten sich demokratische Kräfte den Neonazis in den Weg stellen, könnte es zu der grotesken Situation kommen, dass die Polizei ausgerechnet den Neonazis den Weg frei machen muss. Mit einiger Sorge blickt die Polizei auf Gostenhof, die Hochburg der Autonomen, die gern auf Konfrontationskurs gehen.
Quelle:
http://www.nn-online.de/artikel.asp?art=555220&kat=10 |
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